links35 = Geschichte / Absolutismus

Absolutismus

1765 veräußerten die Sickinger ihren Siener Besitz an Johann XI. Dominik Albert, Fürst zu Salm-Kyrburg und Besitzer der anderen Hälfte Siens. Johann XI. Dominik Albert, Fürst zu Salm-KyrburgDamit endete die Zweiherrenzeit, die Zeit des Kondominats. Zurück blieb allerdings bis heute als Folge des Kondominats die konfessionelle Trennung der Bevölkerung in Katholiken und Protestanten. Im übrigen aber blühten unter der aufgeklärten Herrschaft Fürst Dominiks Handel und Handwerk in Sien auf, was auch dringend geboten war, hatten doch Pest, 30jähriger Krieg (1618-48) und Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688-97) das Land verwüstet und die Zahl der Bevölkerung stark dezimiert: Einer Notiz zufolge bestand Sien 1698 nur noch aus 15 Häusern. Fürst Dominik war einer der bedeutendsten Herrscher unter den Herren von Salm, denen nach dem Aussterben der wild- und rheingräflichen Linie Kyrburg das Oberamt Kirn zugefallen war. Er wurde 1708 in Mechelen geborene. Bereits mit 8 Jahren Vollwaise, erbte der bei den Jesuiten erzogene wild- und rheingräfliche Nachkomme aus dem Hause Salm die Herrschaft Leuze im Hennegau. Sein Erbe erlaubte ihm bereits in jungen Jahren ein sorgenfreies und den Vergnügungen zugetanes Leben in Wien, zumal ihm und seinem Bruder Philipp Joseph 1743 noch das Oberamt Kirn zuteil wurde, zu dem auch die Schultheißerei Sien mit dem halben Ort Sien gehörte. Zwei Jahre später wurden die beiden Brüder gar in den Fürstenstand erhoben. Allmählich vollzog sich - durch verschiedene Bildungsreisen unterstützt - ein Wandlungsprozess in Dominiks Denken und Lebenseinstellung. Daraufhin verlegte er 1763 seinen Wohnsitz endgültig nach Kirn, um ganz bescheiden mitten unter seinen Untertanen zu leben. Als aufgeklärter Fürst war er sehr auf deren Wohl bedacht, kümmerte sich besonders um deren Bildung und religiöse Erziehung.

heutige ev. KircheDurch zahlreiche, vor allem kirchliche Bauten setzte er sich bleibende Denkmäler.

In Sien ließ er 1765 die baufällige alte Kirche abreißen und an ihre Stelle ein neues, in schlichtem ländlichen Barock gehaltenes und mit einem Zwiebelturm versehenes Gotteshaus (die heutige evangelische Kirche) errichten, mit der Maßgabe, dass sie sowohl von den Katholiken als auch von den Protestanten genutzt werden sollte.

Interessant ist auf dem linken Bild, daß die Birke, welche die evangelische Kirche rechts teilweise verdeckt, am Sonntag, den 9. Juli 2000 von einem Gewittersturm gefällt wurde.

Auch ein Jagdschloss, das heute als Gasthaus dient, ließ er 1770 von seinem Hofbaumeister Johann Thomas Petri in Sien erbauen. 1771 wurde es fertiggestellt. Es zeigt auf seiner Schauseite einen dreiachsigen Mittelrisalit unter einem dreieckigen Zwerchgiebel und einem verschieferten Mansarddach.

Das Siener Schloßüber dem schönen Portal prangt ein von dem Bernkasteler Bildhauer Johann Philipp Maringer geschaffenes Sandsteinrelief, auf dem zwei Wildmänner das Wappen des Fürstenhauses tragen. Mit den beiden barocken Bauwerken setzte Fürst Dominik in Sien architektonische Akzente. Beide Gebäude geben noch heute - zusammen mit der über 100 Jahre später errichteten katholischen Kirche - dem Dorfbild sein charakteristisches Gepräge. Als am 2. Juni 1778 Johann XI. Dominik Albert, Fürst zu Salm-Kyrburg starb, war die Trauer seiner Untertanen groß und ungeheuchelt. Heute ruhen seine sterblichen Überreste im Chor der Kirner evangelischen Kirche am Hahnenbach (siehe Bild unten).

Wappenrelief über dem Eingagnsportal des Siener Schlosses

Unter dem Wappen das Datum der Fertigstellung des Gebäudes: ANNO 1771